Festrede

Turn- und Sportverein Steinbach 07 e.V.
Ansprache anlässlich Festkommers am 1. September 2007

Liebe Sportfreunde, Förderer und Mitglieder des TuS 07 Steinbach, liebe Gäste,
festredner klaus engelich berufe mich in meiner Einleitung auf Goethe, der einst sagte: „Wer freudig tut und sich des Getanen freut, ist glücklich“. Ich möchte, dass wir uns zumindest heute Abend diesen Satz des großen Mannes zu Eigen machen.

Vielen ist bekannt: Bereits zum 100. Geburtstag - am 10. März - ging ich im Festgottesdienst auf die Geschichte des TuS ein; wundern Sie sich daher bitte nicht, wenn Sie heute das eine oder andere Bekannte hören. Unser Verein hat zwar eine eigene Identität, jedoch weder zwei Leben noch zwei verschiedene Gesichter...

Was macht denn die Identität, das Unverwechselbare oder das Charakteristische unseres jubilierenden TuS 07 aus? Sind es die ernormen Bautätigkeiten, die solch tolle Vereins-Anlagen hervorbrachten wie Rasenplatz nebst Flutlichtanlage mit Einzäunung, Gymnastik-Halle mit Kegelbahn, Sportheim, Geräte-Garagen, Bolz- und Trainingsplatz, oder ist es etwa der fantastische Panorama-Blick von unserem Sportgelände auf das prächtige Donnersberg-Massiv? Das alles und noch viel mehr an „Äußerlichkeiten“ gehört sicherlich dazu.

Am Wichtigsten sind jedoch sich engagierende Menschen mit einer uneigennützigen Einstellung: Unsere sportlichen-, kulturellen- und gesellschaftlichen Aktivitäten und das positive Auftreten in der Öffentlichkeit prägen den Stil unseres Vereins - bei jeder Gelegenheit - bewusst oder unbewusst. Enorme Helferdienste, Geld-Spenden – einschl. Honorar-Spenden der Übungsleiter im Jugendbereich - werden jährlich zur Deckung der kostspieligen Unterhaltung der vereinseigenen Anlagen benötigt und erfordern immer wieder persönliche Kraftakte vieler.

Einer solchen Herausforderung müssen sich Sportvereine am Sitz von Verbandsgemeinde-, Kreis-, bzw. Stadtverwaltungen nur bedingt stellen: Die von den Kommunen aus Steuern und Abgaben unterhaltenen Sportanlagen können diese in der Regel für Trainings- oder Spielbetrieb kostengünstig mitbenutzen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir gönnen dies den Vereinen und sind darüber nicht traurig; wir sind einfach nur mächtig stolz auf unsere gewaltigen Eigenleistungen zur Selbsthilfe, auch freuen wir uns immer wieder über gewährte Zuschüsse.

Meine Damen und Herren, nun zur 100-jährigen TuS-Geschichte: „Chronik“ ist ein Thema, über das man sehr lange reden kann, doch: „Eine gute Rede hat einen Anfang und ein Ende und – was noch wichtiger ist - einen kleinen Abstand zwischen diesen beiden.“

Was bedeuten 100 Jahre Vereinsgeschichte?

Historiker und Geologen sind gewohnt, in menschheits- und erdzeitgeschichtlichen Dimensionen zu denken. Für sie sind 100 Jahre „ein Klacks“. Doch meine Damen und Herren, bis zu vier Generationen erleben eine solche Epoche, gestalten diese und sind von ihr gestaltet worden. In dieser Zeit wird viel geliebt und viel gehasst, viel getan und viel unterlassen. Viele Vereine sind wieder verschwunden, einige haben noch Bestand – so unser TuS. Für ihn sind 100 Jahre eine ganze Menge, denn auch unser Verein unterlag und unterliegt den Wirkungen des „Zeitgeistes“.

Wie funktioniert denn ein Verein wie unser TuS? Nun, ein Verein ist nur so gut wie die einzelnen Menschen die für ihn da sind und ihn repräsentieren. Die Vorsitzenden haben eine Vorbild-Funktion und benötigen ein Team, das hinter ihnen steht. Der Sinn und Zweck eines Vereins liegt im zielgerichteten Miteinander von Menschen, die sich einer gemeinsamen Sache verpflichten. Ohne eine gute Mannschaft bewirkt eine Vereinsführung wenig!

Schon die Gründerväter des TuS wussten dies und haben erstaunliches vollbracht. Sie haben sich durch harte Arbeit, Kreativität und Willensstärke in einem widrigen Umfeld behauptet:

Im Gründungsjahr 1907 sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen alles andere als rosig, es herrscht eine große Unwissenheit nach dem „wie geht’s nun weiter?“

  •  - der Aktienmarkt an der New Yorker Wall Street bricht am 7. März zusammen, es kommt zu  einer Wirtschaftskrise,
  •  - das Attentat auf den bulgarischen Ministerpräsidenten am 11. März fällt in eine Zeit starker politischer Unruhen auf dem Balkan,
  •  - im gleichen Jahr erleiden die Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen herbe Verluste.

Dazwischen, am 10. März, - es war ein Sonntag - schlägt in der Gaststätte Schrick (später Schwind-Hartig) die Geburtsstunde des Turnvereins. 19 beherzte Männer wählen sogleich aus ihren Reihen einen Turnrat. Von „Fußballspielen“ war damals keine Rede.

Zu den nächsten Etappen:

Der Verein zählt im Jahre 1912 32 Mitglieder und tritt der Deutschen Turnerschaft bei. Bereits in dieser Phase werden Theaterabende und Vereinsbälle angeboten. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs kommen alle Aktivitäten des Vereins zum Erliegen. Der grausame Krieg reißt schmerzliche Wunden, einige Mitbegründer kehren nicht mehr in ihre Heimat an den Donnersberg zurück.

Bereits drei Monate nach Kriegsende, am 15. Februar 1919, lassen ehemalige und neu hinzugekommene Mitglieder den Verein wieder aufleben. Im Folgejahr werden Turnbetrieb und Theatervorführungen aufgenommen und 1921 die Schulscheune in der Donnersberger Straße in eine Turnhalle umgebaut. Der Aufbau einer äußerst leistungsstarken Turnriege gelingt und die Turnhalle wird im Sinne einer Gemeinschaftshalle auch von anderen Vereinen fleißig genutzt. Das Pfingstturnfest 1927 verbindet man mit einer Weihe der heute 80 Jahre alten Fahne, das schon fast antike Schmuckstück ist hier zu bewundern. Das Mittelstück enthält das Motto des berühmten Turnvaters Jahn, die vier „F“. Sie stehen für „frisch, fromm, fröhlich, frei“, zieren heute noch das Emblem des Deutschen Turnerbundes und schmücken die Stirnwand unserer Gymnastikhalle.

1930 schlägt die (Geburts-)Stunde der Fußballabteilung und der Name „Turnverein“ wird um das Wort „Sport“ erweitert. Im damaligen Jahresbericht wird der schlechte Turnbetrieb bemängelt. Zitat: „Zum Gauturnfest kann nicht ein einziger Turner abgestellt werden; erst gegen Jahresende wird der Turnbetrieb wieder etwas besser, wobei der Fußballbetrieb während des ganzen Jahres sehr rege ist“. Kurios: Der Sportplatz wechselt in diesen Jahren von einer Gemarkung in die andere.

Zum 25-jährigen Bestehen veranstaltet der Verein am 19. Juni 1932 ein Turnfest auf den Pfarrgrundstücken am Wolfspfad. Nur wenige haben diesen Tag noch in Erinnerung; ein Foto der Fußballmannschaft erinnert an diese Zeit.

1933 macht sich die NS-Diktatur mehr und mehr bemerkbar. Nach der totalen Machtergreifung der Nationalsozialisten gibt es keinen Spielraum mehr für Turn- und Sportvereine. Völlig andere Ideale werden der Jugend in konzentrierter Form eingetrichtert, große Teile des deutschen Volkes unterliegen jenen äußerst raffiniert und massenpsycho-logisch vorgehenden Ideologen. Das vierte „F“ im Turnspruch - nämlich „FREI“ - entfällt. Im Rahmen der sog. Gleichschaltung und Betonung des Führerprinzips wird unser TuS aufgelöst, unser jüdischer Vorsitzender in sog. „Schutzhaft“ genommen, die Vereinsfahne beschlagnahmt und das Vereinsvermögen sichergestellt.

Auch während des 2. Weltkrieges (1939 bis 1945) ruhen alle Vereinsaktivitäten. Bereits 10 Monate nach der Kapitulation, im März 1946, wird in der Gaststätte Siebecker der Verein wieder angemeldet und die Vereinstätigkeit aufgenommen. Die Gemeinschaftsfördernde Kraft des TuS ist der Wegweiser aus Not und Elend der Nachkriegsjahre. Einige der seinerzeitigen Mitstreiter - wie der heutige Ehrenvorsitzende Jakob Bauer oder die Ehrenmitglieder Heinrich Philippi und Albert Wörner - engagieren sich heute noch in unserem Verein. Der Fußballspielbetrieb wird alsbald aufgenommen, die Chronik enthält hierzu lustige Anekdoten. Der Turnbetrieb läuft im Jahr danach langsam an und zum Jahr der Währungsreform – 1948 – enthält unsere Chronik Kuriositäten bei der Wiederbelebung des Theaters. Die Fußballer feiern den ersten Pokal-Triumph und bringen einen handge-drechselten Holzpokal mit nach Hause, der heute noch zu bewundern ist.

1952 ist der Verein turnerisch wieder in der Lage, auch größere Sportfeste zu bestreiten. Am Ortsausgang Richtung Dannenfels (heutiges Anwesen Engel) wird das 45-jährige Bestehen gefeiert, drei Jahre später der Sportplatz in die Altenhofgewanne (heute Gärtnerei Karlin) verlegt.

1957 wird eine Tradition – der man in den folgenden 34 Jahren die Treue hält – wiederbelebt und ein Vereinsball mit Polonaise durchgeführt. Die Feier zum 50-jährigen Bestehen ist ein großer Erfolg für den Verein und eine echte Werbung für den Sport.

1960 veranstaltet der TuS mit dem Gastverein TSG Kaiserslautern ein Schauturnen, nimmt am Gauturnfest in Bad Dürkheim sowie bei den Jugend-Pfalzmeisterschaften in Kaisers-lautern teil. Ein herausragender TuS-Leichtathlet wird im Speerwurf mit neuem Pfalzrekord sogar Pfalzmeister.

Vier Jahre später zieht es unsere Turnerinnen und Turner zum Gauturnfest nach Frankenthal und - auf dem Gelände hier draußen -  wird mit dem Bau eines Hartplatzes begonnen. 1965 nimmt eine große Turnerschar am Landesturnfest des Pfälzer Turnerbundes in Kaiserslautern teil. Im Jahre 1967 bereichert eine beachtlich große Zahl an eigenem Nachwuchs sowie die Turnriege des Rhein-Limburg-Gaus die Feier „60 Jahre TuS 07“. Tageszeitungen bezeichnen dies als „Demonstration echten turnerischen Geistes“. Ein Jahr später, 1968, fahren eine Hand voll Jugendliche mit Teilnehmern des Rhein-Limburg-Gaus zum Deutschen Turnfest nach Berlin. Nach dieser Zeit werden nur noch wenige Sportfeste besucht.

Das Sportheim wird 1971 seiner Bestimmung übergeben und im Folgejahr eine Flutlicht-Anlage installiert.

Erstmals in der Vereinsgeschichte erringen die Fußballer 1974 die Meisterschaft und steigen in die A-Klasse Nord auf. Das war für unseren TuS wohl doch eine Nummer zu groß, denn im Folgejahr geht’s im Fahrstuhl wieder nach unten. Erst 5 Jahre später gelingt ein erneuter Aufstieg.

1981 findet die letzte Veranstaltung in der alten Turnhalle statt, schon 1982 weht hier - durch diese Gymnastikhalle - ein frischer Wind. Der kleine aber feine Dorfverein wird bei der Einweihung mit dem Ehrenteller des Landes - der die gewaltige Eigenleistung des Vereins würdigt - ausgezeichnet. Anfang Juni feiert der TuS in den neuen Räumen sein 75. Vereinsjubiläum, hierbei begeistern unser Nachwuchs und die Turner der TSG Grünstadt das Publikum.

1983 sind - nach 25 Jahren theaterloser Zeit - die Voraussetzungen für erneute Auftritte geschaffen. Die Erfolgsgeschichte des professionell agierenden TuS-Ensembles hält auch heute - nach dem 25. Auftritt in Folge - noch an. Mittlerweile kommen jährlich mehrere hundert Besucher aus nah und fern zum TuS ins „Steinbacher Dorftheater“.

1984 wird das Frauenturnen wiederaufgenommen und ein Jahr später tritt der TuS einer Spielgemeinschaft im Jugendfußball bei. Das “Mutter-und-Kind-Turnen“ wird 1991 ins Leben gerufen, letztmals der traditionelle Vereinsball durchgeführt und - nach 20-jähriger Eigenbewirtschaftung - das Sportheim verpachtet. 1992 richtet der TuS den Wandertag des Rhein-Limburg-Gaus aus und drei Jahre später bildet sich eine sog. „Krabbelgruppe“: Nunmehr haben Kinder aller Altersgruppen die Möglichkeit, sich sportlich im Verein zu betätigen.

Heutzutage werden weit über 100 Jugendliche beim TuS 07 betreut. Diese Zahl bestätigt nachweislich, dass das kind- und jugendgerechte Angebot des Vereins angenommen wird und der Slogan „Sport ist im Verein am schönsten!“ zutrifft.

Der im Juni 1995 gegründete Förderkreis lässt dem TuS durch großes Engagement bis heute erhebliche Mittel zur Unterhaltung der Sportanlagen und des Sportbetriebs zukommen.

1997 verwandelt sich die „Rote Erde“ des Sportplatzes in ein „sattes Grün“ und wiederum sind viele fleißige Helfer am Werk. Der vorbildlich gepflegte Rasen lässt auch „Nichtfuß-baller-Herzen“ heute noch höher schlagen.

Die Fußballer schreiben mit ihren beiden Meisterschaften im Jahr 2002 – wobei die erste Mannschaft sogar in die Bezirksliga aufsteigt – Vereinsgeschichte. Auch in der laufenden Saison möchte man „vorne mitmischen“.

Im Jubeljahr weist der TuS 400 Mitglieder aus, bezogen auf rd. 800 Einwohner ist dies eine beachtliche Zahl.

Der Zieleinlauf war bekanntlich am 10. März, was feiern wir heute? Heute geht es um die Würdigung nachhaltiger Leistungen, es geht um die Bewunderung von Kraft und Energie früherer und heutiger Aktivisten. Ohne solche „Macher“ wäre das Erreichte undenkbar. Der Verein ist mächtig stolz, solche Leute in seinen Reihen zu haben: Mir bleibt nur der Respekt vor deren Leistung!

Nach Würdigung der Vergangenheit ein kurzer Blick in die Zukunft, gepaart mit ein paar mahnenden Worten: Wenn wir Teamgeist, die Freude am Sport und das gemeinschaftliche Erlebnis bewahren wollen, werden wir wohl oder übel etwas dafür tun müssen. Es wäre sehr hilfreich, wenn sich der eine oder die andere angesprochen fühlt, denn Arbeit gibt’s genug! Der Sinn des Lebens liegt nicht allein in materiellen Werten, er ist auch im Einsatz für andere zu sehen. Unser persönlicher Einsatz kommt letztlich der guten Sache des Vereins zugute, den wir - über uns hinaus - für unsere Kinder und Kindeskinder erhalten wollen. Es ist auch euer Verein, darum verschließt euch nicht und gestaltet mit uns die Zukunft!

Sollten Sie sich noch nicht zum Kauf unseres Jahrhundertwerks „Chronik“ angesprochen fühlen: Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben. Möglicherweise entdecken Sie darin etwas, was ihre Seele berührt, oder etwas, was Ihnen einfach so gut gefällt, dass Sie dem Band in den eigenen vier Wänden ein neues Zuhause oder sogar einen Ehrenplatz geben. Wir würden uns freuen!

Mit einem Zitat fing ich an, mit einem Zitat höre ich auf:

„Von erdrückenden Pflichten kann uns nur die gewissenhafte Ausübung befreien.“ Von wem mag dieser Satz stammen? Von Goethe natürlich!

Wie heißt es so schön in der letzten Strophe des TuS-Lieds „Schwarz und Weiß, wie lieb ich Dich“ (Insider wissen: Schwarz und Weiß sind unsere Vereinsfarben):

„Tausend Feuer in der Nacht
Haben uns das große Glück gebracht
Tausend Freunde die zusammenstehen – zusammenstehen
Dann wird der TuS 07 niemals untergehen!“

Ich danke im Namen der Vorstandschaften von TuS und Förderkreis für Ihre Aufmerksamkeit.

Klaus Engel.

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