Gut gebechert

Nicolas Werner ist acht Mal deutscher Meister, sechs Mal Weltmeister und fünf Mal Europameister – in einer Sportart namens Sport Stacking, Becher stapeln.

Wenn jemand in einer Sportart acht Mal deutscher Meister, sechs Mal Weltmeister und fünf Mal Europameister geworden ist – und das mit erst 14 Jahren –, dann hat er es ohne Frage voll drauf. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Nicolas Werner aus Steinbach am Donnersberg nicht Becher stapelt. Die Sportart Sport Stacking, das ist seine absolute Leidenschaft.

Dabei hatte er heute vor vier Jahren noch nicht einmal gewusst, was Sport Stacking überhaupt ist. Bis da eine Sendung im Fernsehen kam. Nicolas schaute gespannt auf die Mattscheibe und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wie kann jemand so schnell Becher zu einer Pyramide aufeinanderstapeln und wieder abbauen? Das wollte der Junge unbedingt selbst ausprobieren. Geklappt hat es nicht. Klar, aller Anfang ist schwer. Zudem sind die normalen Trinkbecher in Mamas Schrank auch nicht zum Stapeln geeignet. Sport-Stacking-Becher haben zum Beispiel am Boden mehrere Löcher, damit sich beim Auf- und Abstapeln kein Vakuum im Becher bildet. Dann würden sich diese nicht voneinander lösen.

nicolas werner„Gut, dass ein paar Wochen später Weihnachten war“, erzählt Papa Matthias. Unterm Tannenbaum lag ein Becherset. Nicolas schaute sich ein Video der verschiedenen Disziplinen an und legte los. „Nach drei Versuchen hat es geklappt“, sagt er. Relativ schnell wurde klar, dass der Junge künftig lieber Becher stapelt statt Fußball spielt. Drei verschiedene Disziplinen gibt es beim Stacking – festgelegte Reihenfolgen, wie man die Becher auf- und wieder abbaut.

Am Liebsten mag Nicolas „Cycle“, die Königsdisziplin. Sein Rekord liegt hier bei 5,779 Sekunden. Das geht so schnell, dass man es gar nicht richtig verfolgen kann. Erst vor knapp zwei Monaten gewann er vier Mal Gold mit der Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Orlando in den USA. Wohlgemerkt mit dem Team der unter 18-Jährigen. „Ich war da der Jüngste“, erzählt Nicolas. „Er war über einen Zeitraum von einem Jahr einer der fünf besten Stacker in Deutschland, deswegen wurde er auch in dieses Team aufgenommen“, so Mutter Sandra.

Klar, dass auch sie sich mittlerweile im Becherstapeln ausprobiert hat. Genauso wie der Papa und der elfjährige Bruder Julian. So gut wie Nicolas kriegen sie das aber längst nicht hin. Schon cool, mit 14 etwas besser zu können als die Eltern. Findet natürlich auch Nicolas. Geld verdienen wird er mit Sport Stacking aber wohl nie können. Die Kosten für Flug und Hotel bei der Weltmeisterschaft mussten die Werners selbst übernehmen. Und bei den acht bis zehn Turnieren im Jahr kommt auch immer mal wieder eine Übernachtung hinzu. Kein billiges Unterfangen. „Hin und wieder unterstützt uns mal jemand“, berichtet die Mama. Mehr dürfte es aber schon sein.

Die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Südkorea werden die Werners wohl sausenlassen müssen. Zu teuer. Zu den 75 Medaillen in seinem Zimmer werden deswegen wohl keine von einer WM hinzukommen. Und auch auf einen Trainingspartner wird der Junge weiterhin verzichten müssen. In der Pfalz gibt es keine Sport-Stacking-Vereine. Wenn er mal mit Gleichgesinnten üben möchte, dann muss das Nicolas mit Hilfe einer Webcam machen. „Schade“, sagt er.

Trainieren wird er dennoch weiterhin so gut wie jeden Tag. Denn Ziele hat er noch viele. „Ich will noch schneller werden“, sagt er. Und gegen weitere Titel hat er auch nichts einzuwenden. Wer ihn kennt, der wird nicht daran zweifeln.

SPORT STACKING HOCh DIE BECHER

Ein Mann – viele BecherAls Bob Fox in den 1990er Jahren vor dem Fernseher saß und jemanden sah, der Becher in Windeseile aufeinanderstapeln und wieder abbauen konnte, war er total davon begeistert. Der amerikanische Grundschullehrer machte daraus eine Sportart und trieb diese im ganzen Land voran. Mittlerweile gibt es in den USA an über 11.000 Schulen ein Sport-Stacking-Programm.

Drei Namen – eine Sportart. Für das Becherstapeln gibt es mehrere Bezeichnungen: Speed Stacking, Cup Stacking oder Sport Stacking. Gemeint ist jedoch immer dasselbe. Man stapelt mit einem Set von zwölf beziehungsweise neun Bechern Pyramiden in einer bestimmten Reihenfolge auf und wieder ab.

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