Platzkassierer

Iwan Litmianski, 81 Jahre alt, beim TuS Steinbach eine Institution,

er drehte heute am Samstag den 15.03.2007 als Platzkassierer seine Runde.

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„Kummt de Iwan uff de Sportplatz orrer soll mer ne hole?“ so die Frage des TuS – Vorsitzenden Wolfgang Bauer am Telefon vor dem ersten Heimspiel der Steinbacher Fussballer im neuen Jahr. „Er iss schun unnerwegs, er braucht halt es bissje länger!“ gibt seine Frau zur Antwort.

Iwan Litmianski 08 005Es dreht sich hierbei um Iwan Litmianski, 81 Jahre alt, beim TuS Steinbach eine Institution und allen Fußballfans im Donnersbergkreis wohl bekannt. Seit 1978, also 30 Jahre, machte er sich zu Fuß auf den Weg zum Sportplatz und drehte dort als Platzkassierer seine Runde.

Aber die Schritte wurden mit dem fortschreitenden Alter langsamer, der Gang schwerer und gegen Ende des vergangenen Jahres sprach er kurz vor Weihnachten zum 1. Vorsitzenden des TuS „Wolfgang, ich habs jetzt lang genug gemacht, es geht ofach nimmie, ich her jetzt uff!“

Ein bisschen Wehmut lag dabei in seiner Stimme. Waren doch der TuS und seine Fußballer jeden Heimspielsonntag ein Teil seines Lebens. Die treuen Fans, die Spieler und nach dem Spiel, nachdem er das Geld in seinem Kässchen gezählt hatte, ein Bierchen im Sportheim bei Angela, die ihm oft nach getaner Arbeit freundlich tätschelte. - Jeder wusste, wenn er grinsend mit der Kasse unterm Arm an den Stammtisch kam „Ouh, heit riwwelt er widder die Händ, es war e gute Einnahme!“ Dazu ein Heimsieg seiner TuS – Kicker und der Sonntag war perfekt.

Am vergangenen Samstag war endgültig Schluss. Ein letztes Mal nahm er zusammen mit dem neuen TuS-Kassierer Karl Hartmeyer das Eintrittsgeld entgegen und wurde dann von Verein und Mannschaft in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

An Ehrungen hat Iwan, der als 16-jähriger Junge als Kriegsgefangener aus der Ukraine nach Steinbach kam und hier sein Glück fand, schon viele erfahren dürfen.

Er ist seit 10 Jahren Ehrenmitglied beim TuS, war genauso lange in der Vorstandschaft beim TuS tätig, lange Zeit Kegelbahnwirt und davor mit Irmchen seiner Frau als Bewirtschafter des Sportheims tätig. Er half kräftig beim Bau der TuS – Turnhalle und ebenso beim Rasenplatz mit.

Ausgezeichnet wurde er nebenbei noch mit der bronzenen und silbernen Ehrennadel des Südwestdeutschen Fußballverbandes.

Alles machte er aus Freude und aus Liebe zu seinem TuS. Iwan fragte nie, was kann der Verein für mich tun, sondern „was kann ich für den Verein tun!“

Die Fußballer des TuS machten ihm bei seiner Verabschiedung die Freude, schlugen im Lokalderby die Göllheimer mit 4:0. Dazu sah er, dass sein Amt in zuverlässigen Händen ist und so konnte sich Iwan am Samstag zufrieden wieder zu Fuß auf den Heimweg machen. Bis zur Sportschau wird er’s geschafft haben, denn mit bald 82 Jahren dauert wie anfangs erwähnt alles ein bisschen länger.

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