80. Geburtstag von Iwan Litmianski

Helfer hinter der Linie der Verein ist seine Heimat.

Verbundenheit zwischen Iwan Litmianski und TuS Steinbach - 80. Geburtstag gefeiert - 25 Jahre Platzkassierer.

iwan litmianskiVor acht Tagen feierte Iwan Litmianski seinen 80. Geburtstag und durfte sich den Glückwünschen seiner Vereinskameraden sicher sein. Lange Zeit war er Mitglied der Vorstandschaft und noch länger ist er ein engagierter und geschätzter Freund des TuS 07 Steinbach.

Seit fast 25 Jahren dreht Iwan Litmianski, der von allen nur Iwan gerufen wird, Heimspiel für Heimspiel seine Stadionrunde für den TuS. Eigentlich ist er ein gelassener und umgänglicher Typ. Wenn er sich bei besagtem Rundgang hingegen in seiner Funktion als Patzkassierer behindert fühlt, kann Iwan auch anders. Dann fühlt er jenen Herren auf den Zahn, die sich gerne als Betreuer und Vereinspersonen deklarieren. „Da ist er noch richtig fit und lässt sich auf keinen Fall übers Ohr hauen", attestiert Wolfgang Bauer, Vorsitzender des TuS Steinbach. Iwan Litmianski ist alles andere als ein „altes Eisen", das man um den kleinen Finger wickeln kann.

Unter der charakteristischen Schirmmütze verbergen sich kluge und nachdenkliche Augen. „Heute hätte ich wieder mehr einnehmen können", meint Iwan selbstkritisch. Das wievielte Spiel es ist, bei dem er heute abkassiert, kann er nicht beziffern. „Zu lange her", meint der gebürtige Ukrainer.

Über die Tabellensituation seines TuS ist Iwan hingegen bestens informiert. Dort hat Steinbachs Bezirksklasse-Mannschaft die Aufstiegshoffnung längst begraben müssen. Umso mehr freut sich Iwan über den Spielverlauf an diesem Sonntag. Sechs Tore darf er zusammen mit den vielen Zuschauern bejubeln und beklatschen. Besonders schön, dass dieses Fußball-Fest ausgerechnet gegen den Spitzenreiter und Lokalrivalen vom SV Kirchheimbolanden gelingt. Mit jedem Treffer wird Iwans Grinsen breiter. Schlägt das Herz, dem er nach eigener Aussage in Steinbach eine neue Heimat gegeben hat, stolzer. Jetzt ist er TuS-Fan mit ganzer Seele und als solcher gönnt er sich einen Spaß mit dem SVK-Anhang.

Höflich will sich Iwan vergewissern, ob man in Kirchheimbolanden die Titelansprüche nicht noch einmal überdenken möge. Wieder strahlt der Mann, der vor über 60 Jahren aus dem Osten in den Westen kam, über das ganze kauzige Gesicht. Nicht nur wegen seiner trockenen Sprüche ist der Junggebliebene bekannt wie kaum ein anderer Steinbacher. Auf dem Sportplatz grüßt ihn fast jeder mit Namen. Und er kennt sie auch alle, zumindest vom Gesicht her. Was nicht nur der eingangs erwähnten Identifikation von „Schwarzguckern" dient. Iwan hängt an seinem Verein. „Das ist meine Heimat", sagt er. „Obwohl ich nicht hier geboren bin."

Mit 16 Jahren kam Iwan Litmianski aus der Ukraine nach Deutschland. Einer von so erschreckend vielen verschleppten Gefangenen des Zweiten Weltkrieges. In der Ukraine war Iwan zur Schule gegangen, in Deutschland machte er sie zu Ende. Danach arbeitete er viele Jahre bei den Firmen Gienanth und Dyckerhoff, saß dort hinter dem Steuer der tonnenschweren Transportfahrzeuge. Iwans Hände zeugen von großer Kraft. Die riesigen Finger hantieren geübt mit der kleinen Geldkassette. Was sein größtes Erlebnis als Platzkassierer war? „Das Spiel gegen Winnweiler", fällt Iwan ein. 700 Euro, damals noch 1400 Mark, habe er da während eines Spieles eingenommen. So weit er wisse, sei das sein Rekord.

Beim TuS schätzt man das Urgestein, das auch schon aktiv als Bestandteil der „Alten Herren"-Mannschaft am Ball war. „In seinem Job ist er ganz gewissenhaft und auch abseits vom Spielgeschehen immer für den Verein da", weiß Wolfgang Bauer. Bauer ist aktuell der Chef jener Vorstandschaft, der auch Iwan Litmianski in den Jahren 1979 bis 1998 angehörte. 1997 wurde er unter anderem dafür mit der goldenen Vereinsehrennadel sowie der Verbandsehrennadel des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes geehrt. Ein Jahr darauf folgte die Ernennung zum Ehrenmitglied. Für Iwan eine Nebensache. Wenn er sich an die Zeit beim TuS erinnert, dann an den Bau der Sporthalle und des Rasenplatzes: „Harte Arbeit war das."

Heute musste er sich anlässlich seines 80-jährigen Geburtstags einer ganz anderen Herausforderung stellen. „Dann kommt der Pfarrer", weiß Iwan und zeigt ein beschämtes Gesicht. Allzu viel Trubel um seine Person mag er nicht. 25 Jahre lang hat Iwan Litmianski während der Heimspiele des TuS 07 Steinbach die Zuschauer zur Kasse gebeten. Er war Kegelbahnwirt und zusammen mit seiner Frau auch als Bewirtschafter des Sportheims tätig. Warum er das gemacht hat, fragt sich Iwan wohl weniger. Mit Leib und Seele ist er Steinbacher, und als solcher eben Mitglied des TuS und als solches tut er, was er tun kann für seinen Verein.

Zurück auf dem Rasen. Der Abpfiff naht, Iwan zählt die Minuten herunter. 6:5 führt sein TuS. Der SVK drängt, es gibt sogar noch einen Lattenknaller. Schließlich hält Steinbach den knappen Vorsprung. Später am Abend soll eine Party steigen, jetzt passt sogar der sportliche Rahmen. Für Iwan ist das aber kein Thema (mehr). „Früher, da hättest du mich mal sehen sollen. Ich hätte viel zu erzählen..." Sofort setzt er wieder sein sanftmütiges Lächeln auf und schaut noch einmal kritisch in die Kasse. „Ein bisschen mehr hätte es sein können."

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