Volunteer Bauer

„Will Atmosphäre hautnah erleben"

Wolfgang Bauer ist bei WM gleich doppelt im Einsatz.

Wolfgang Bauer aus Steinbach ist Polizist. Genauer gesagt Polizeioberkommissar. Als solcher ist er - wie tausende Kollegen - während der WM in Kaiserslautern im Einsatz. Aber nach Dienstschluss tauscht der 44-Jährige das Hemd mit dem Polizeiemblem gegen ein Poloshirt mit Fifa-Symbol: Denn der bekennende Fußball-Fan ist in seinem „zweiten WM-Leben" Volunteer.

volunteer bauerDann ist statt Uniform Freizeit-Look angesagt, „gesponsert by Adidas. Und wehe, du trägst versehentlich Nike-Strümpfe", scherzt Bauer, getreu dem Motto: „Big Brother (Fifa) is watching you." Wie ist der Vater zweier Söhne - acht und zwölf Jahre alt - auf die Idee gekommen, diese ehrenamtliche Tätigkeit neben dem eigentlichen Polizeidienst während der WM auszuüben? „Ich wollte hautnah dabei sein, die Atmosphäre nicht nur via Fernsehübertragung mitbekommen", erklärt Bauer. Kurz entschlossen bewarb er sich im vergangenen Jahr beim Fifa-WM-Büro in Kaiserslautern, wie viele andere Interessenten auch. Das Hauptaugenmerk bei der Auswahl der FIFA-Verantwortlichen lag auf kommunikativen Fähigkeiten und auf Erfahrung im Umgang mit Menschen. Für den Polizisten, der seit 25 Jahren Schichtdienst bei der Polizeiinspektion Alzey verrichtet, sollte dies keine Hürde darstellen. Die Zusage flatterte Anfang des Jahres ins Haus. Es folgte eine Schulung auf die anstehenden Aufgaben als „Gästebetreuer".

Den ersten Volunteer-Einsatz hat Bauer beim Spiel Japan gegen Australien im Fritz-Walter-Stadion hinter sich gebracht. Sein Tagesablauf an besagtem Montag sieht wie folgt aus: 5.30 Uhr aufstehen, eine schnelle Tasse Kaffee trinken und ins Polizeipräsidium fahren. Dort herrscht Hochbetrieb, schließlich sind knapp 2000 Polizisten im Einsatz, die für die Sicherheit von etwa 80.000 Besuchern in der Stadt an jenem Spieltag verantwortlich sind. Sein Dienst dauert bis 11 Uhr. „Ich hab mich dann gleich umgezogen und bin ins Stadion", blickt Bauer zurück. Dort zeichnet er, zusammen mit einem anderen Gästebetreuer, für die Sicherheit der Besucher im Block 10 verantwortlich. Vom Wegweiser über Ratgeber und Psychologe - Volunteer Bauer muss sich bei seinen Einsätzen über Langeweile nicht beklagen. Die meisten Besucher kennen das Stadion nicht, die Fans aus Trinidad und Tobago verstanden die Wegweiser nicht, hinzu kommen sprachliche Schwierigkeiten.

So oder ähnlich sehen die meist kleinen, manchmal größeren Probleme aus, mit denen sich der „Gästebetreuer" auseinander zu setzen hat, meistens in Englisch oder Französisch. Die Hilfe der Volunteers sei enorm gefragt, so Bauer, der dem Fußball seit vielen Jahren verbunden ist. Früher als aktiver Fußballer, seit vier Jahren als erster Vorsitzender des TuS 07 Steinbach. Aber nicht nur als Funktionär sondern auch als Trainer der D-Jugend, in der sein Filius kickt, ist Bauers „Know-How" gefragt. Sein soziales Engagement bringt Bauer auch durch seine Mitwirkung beim Dorftheater und als Mitglied des Ortsgemeinderates zum Ausdruck. „Ab und zu müsste der Tag 25 Stunden haben", scherzt Bauer angesichts der vielen „Baustellen", an denen er tätig ist.

Und wie kommt die Familie mit der momentanen Zusatzbelastung des „doppelten Bauers" klar? Keine Frage: Die beiden Söhne sind stolz auf ihren Papa, der alle WM-Spiele auf dem Betzenberg live sehen kann. Der verspricht: „Dafür belohnen wir uns nach der Weltmeisterschaft mit einem Urlaub". Aber noch wird Bauer bei der WM in Kaiserslautern gebraucht - als Polizist und als Volunteer.

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