Dreijahrespläne "ad acta"

Ab jetzt nur noch von Jahr zu Jahr denken.

Zwischenbilanz: Steinbachs Trainer Lars Igel schmiedet keine Dreijahrespläne mehr – Derzeit steht der TuS 07 auf dem dritten Rang. Als er im Jahre 2010 beim TuS 07 Steinbach anheuerte, steckte er sich hohe Ziele. Der damals 27-jährige Lars Igel hatte ein Konzept. Eines, das seinen neuen Klub aufbauen, ihn wieder in die A-Klasse bringen sollte – innerhalb von drei Jahren. Doch der Traum zerplatzte wie eine Seifenblase: Die letzte Saison entwickelte sich zu einem Desaster, die 07er kamen nie annähernd in die Nähe der Spitzenplätze. Igel zog daraus seine Lehren – und schaltet ab jetzt einen Gang zurück.Eines haben Pläne meistens gemeinsam: Dass sie letztlich auch wirklich aufgehen, ist nie sicher gewährleistet. Sie konstruieren nur die unsichere Erreichung eines Ziels. Lars Igel kennt diese Zwickmühle bestens. Vor drei Jahren kam der heute 30-Jährige mit einem Drei-Jahres-Plan in der Tasche nach Steinbach. Igel hatte eine Vision: Er wollte dem Fußball hier neues Leben einhauchen, in seinem dritten Amtsjahr sollte der Aufstieg in die A-Klasse stehen. „Ansprüche und Erwartungen waren hoch. Die Leute sollten mitziehen, an was Großem schaffen. Ich wollte einen längerfristigen Plan, dass die Mannschaft nicht auseinanderbricht“, beschreibt der Spielertrainer. Sein Vorhaben schien zwischenzeitlich perfekt aufzugehen: In Igels zweiter Runde, 2011/12, lag der TuS lange auf Platz eins, musste für den Titel nur noch zugreifen. Aber er ließ in der entscheidenden Phase Federn und vergeigte den Aufstieg.

Dennoch: Die Weichen im Vorjahr waren gestellt. Mit etablierten Kickern wie Edis Resic oder Kenan Antoni peilten die 07er den Sprung nach oben an. Gleichzeitig jedoch auch das folgenschwere Verhängnis. „Menschlich hat das mit denen absolut nicht gepasst. Wir hätten Führungsspieler gebraucht. Das war eher ein Missverständnis von beiden Seiten“, blickt Lars Igel zurück.

Das TuS-Boot leckte. Statt Titelrennen dümpelte die Steinbacher Elf im Abstiegssumpf herum, kratzte nach der desolaten Vorrunde sogar an der C-Klasse. Jahr drei der Igel-Ära entpuppte sich als Schreck. Mit Folgen. Igel ist fest entschlossen: „Wir denken jetzt nur noch von Jahr zu Jahr und planen nicht noch mal über die Jahre hinweg. Aktuell können wir das Beste rausholen. Uns stehen alle Möglichkeiten offen“, freut er sich. Aus der Drucksituation hat er gelernt. Er wolle eine ruhige Runde spielen, im gesicherten Mittelfeld landen und nicht mehr wie letzte Saison in Bedrängnis rutschen. Der krampfhafte Erfolgswille sei vorbei. Ergebnis Stand heute: Dritter Platz, acht Siege, Spitzenreiter SV Otterberg nur fünf Punkte entfernt – trotz der bitteren Abgänge von Pascal Weber und Patrick Schäffler, die „schon Bauchweh gemacht haben“ und „schwer auffallen“. Es läuft in Steinbach. Jetzt, wo die hohen Ansprüche passé sind, scheint der TuS seinen festen Platz in der Spitzengruppe gefunden zu haben.

Unter Igel stülpten die Steinbacher ihr System fast komplett um. Weg von dem immensen finanziellen Aufwand, hin zu mehr Jugendförderung. Sieben Talente rückten in diesem Jahr hoch, fünf davon mit Potenzial für die Erste. Nächstes Jahr, so Igel, käme ein weiterer Rutsch von 13, 14 Leuten. Gemischt mit Neuen wie Artur Altergott oder Sebastian Walther („absolutes Juwel“) ein starker Trupp. Die Zukunft ist rosig. Mit Erfolgsparolen befeuern will der Coach seine Schützlinge aber nicht. „Das müssen wir bei dem jungen Team vermeiden. Es ist noch zu früh, um zu sagen: Das können wir!“, zweifelt er. „Wir können jeden schlagen, aber auch gegen jeden verlieren.“ Bis jetzt läuft es grandios. 25 Punkte hat der TuS nach elf Spielen auf dem Konto. Er ist, entgegen eigener und anderer Erwartungen, zum Meister-Kandidat avanciert.

Ob Igel in seinem vierten Jahr nicht doch ein bisschen auf den Aufstieg schielt? „Nicht mehr“, lacht er. „Wir gehen von Spiel zu Spiel, wollen das genießen und gehen sachlich mit der Situation um.“ Zeiten, in denen beim TuS 07 Steinbach Drei-Jahres-Pläne geschmiedet wurden, betont er, die seien nun wirklich vorbei…

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Der Kader

Neuzugänge: Artur Altergott, Max Nekrasov, Nils Wolsiffer (alle TuS Münchweiler), Christian Dzaack (SG Bechtolsheim), Marcel Klein, Sebastian Walther (beide ASV Winnweiler), Moritz Scheidel, Lukas Scheidel, Florian Bauer, Viktor Belsch, Milan Plavsic, Nicolas Frühauf, Marvin Schneider, Marcel Seeberger (alle eigene Jugend).

Abgänge: Kenan Antoni (SG Göllheim/Dreisen), Patrick Schäffler, Pascal Weber (beide TuS Münchweiler), Dirk Steuerwald (Karriereende).

Tor: Christopher Bridgewater, Florian Fischer, Thomas Müller, Markus Wick, Michael Zlaugotnis.

Abwehr: Kenan Bajrami, Florian Bauer, Viktor Belsch, Dominik Dörr, Daniel Karch, Sascha Kasper, Marcel Klein, Boris Neu, Milan Plavsic, Christoph Reinhard, Christian Stock, Danny Stock, Thomas Stock.

Mittelfeld: Mark Bernhardt, Gerald Bridgewater, Christian Dzaack, Heiko Engel, Martin Fattler, Christopher Feller, Kevin Geib, Dennis Herrbruck, Lars Igel, David Litmianski, Dennis Nostadt, Christian Rölle, Patrick Ruth, Dirk Schappert, Lukas Scheidel, Moritz Scheidel, Simon Schmitz, Marcel Seeberger, Blerim Spahiu, Sebastian Walther, Nils Wolsiffer.

Angriff: Artur Altergott, Blerim Bajrami, Malcolm Bridgewater, Rüdiger Fattler, Nicolas Frühauf, Andreas Kopietz, Christian Linn, Max Nekrasov, Sebastian Sann, Marvin Schneider.

Trainer: Lars Igel, Michael Zlaugotnis (Co-Trainer).

Saisonziel: gesichertes Mittelfeld.

Meisterschaftsfavoriten: FC Eiche Sippersfeld, SV Gundersweiler, SV Otterberg.

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