Makellose Bilanz mit neuem Trainer

Der TuS 07 Steinbach steht mit 21 Punkten aus sieben Spielen an der Tabellenspitze in der B-Klasse Nord.

Es dreht sich alles um eine einzige Frage: Wer kann den TuS 07 Steinbach aufhalten? Der Vorjahres-Dritte der B-Klasse Nord schickt sich an, das Gros der Liga regelrecht zu demontieren. Er ist unbesiegt, hat den effektivsten Sturm, die beste Abwehr – und nach sieben Spieltagen eine perfekte Bilanz von 21 Punkten. Verblüffend. Denn: Ein Totalumbruch mit jeweils 20 Zu- und Abgängen macht aus dem TuS ein völlig neu gemischtes Allerlei. Meisterschaft ist ein Unwort. Noch.

Ernüchterung setzte ein. Ergebnis: Die Tage der ominösen Dreijahrespläne waren gezählt. Der TuS Steinbach hatte so einen. Er besagte: Innerhalb von drei Saisons soll, nein muss unter Trainer Lars Igel der Aufstieg stehen. Anfangs klappte das recht gut – bis auch der TuS einsah, dass im Amateurfußball nichts planbar ist. Es ging schief. Und das unglückliche Ende: Im April ließ Igel verlauten, hinzuschmeißen, obwohl der TuS fest mit ihm rechnete. Ein nächster Schock. „Wir hatten eigentlich schon verlängert. Dann kam die Entscheidung von Lars, doch aufzuhören“, erinnert sich Spielleiter Markus Buhl-Bohlander und pfeift auf einen nächsten Masterplan. „Darauf waren wir nicht vorbereitet. Das war das Signal, bei Null anzufangen und einen ganz neuen Kader zusammen zu setzen. “Ganz neu, das heißt im Prinzip: alles neu. Nach Igels Abgang folgte eine radikale Neuaufstellung. Von den alten Leistungsträgern sind zwei, drei übrig. Für die Erste dagegen kamen Kicker aus sieben verschiedenen Klubs, dazu fast die gesamte Landesliga-Elf der A-Jugend. Die Mannschaft konnte gar nicht eingespielt sein. Und trotzdem lieferte sie diesen überragenden Start. Sieben Spiele, 21 Punkte, die meisten Gegner zerlegt. Titelkurs. Oder? „Ich bleibe bei meiner Einstellung“, bremst Neu-Trainer Timothy Hanauer die Euphorie. „Wir müssen erst zusammenwachsen. Da gibt es noch jede Menge Baustellen, auch wenn wir schon weit sind. Das ist eine ganz neue Situation. Wenn wir am Schluss Meister sind, sagen wir natürlich nicht, wir wollen nicht. Wir machen uns aber nicht den Druck.“

Hanauer gab die Maxime aus, Spitzenteams wie Sippersfeld oder Bolanden ärgern zu wollen. Er nannte als Ziel nur die ersten Fünf. Mittlerweile ist das eher umgekehrt. Sein TuS ist der Gejagte, der, gegen den jeder bis zum Anschlag motiviert ist. Dennoch hebt Hanauer seine Elf nicht in höhere Sphären. Weil eben alles neu zusammengeworfen sei. Weil sich die vielen A-Jugendlichen, das Team hat ein Durchschnittsalter von 22,5 Jahren, erst an die Härte der neuen Liga gewöhnen müssten. Klappt ja hervorragend. „Sie sind taktisch, spielerisch und technisch weiter als viele B-Klasse-Spieler. Das sind junge Wilde, die sind heiß“, sagt der Coach.

Sein Steckenpferd: die Kondition. Kein anderer Verein, glaubt er, sei läuferisch so stark wie der TuS. Stichwort zweite Halbzeit. Hier schlagen die Steinbacher gerne zu. Und die Sache mit dem Körpereinsatz? „Wenn wir das hinkriegen, ist der Aufstieg nur eine Frage der Zeit“, so Hanauer. Vielleicht ist sie schon jetzt reif.

Der Kader

Neuzugänge:
Pascal Weber (TuS Münchweiler), Timothy Hanauer, Gabriel Hanauer, Christian May (alle SG Nieder-Wiesen/Oberwiesen), Fatmir Sylejmani (Kickers Worms), Justin Müller (TSG Kaiserslautern), Tim Schreiber (SV Alsenbrück-Langmeil), Kevin Bernhardt (VfB Hassloch), Arthur Schönmaier (ASV Winnweiler), Dennis Windecker, Nico Hammel, Tim Klingkowski, Lukas Schmidt, Jonas Becker, Andreas Reiter, Niki Orthen, Marcel Junck, Thilo Opper, Nico Schechter, Steffen Thul (alle eigene Jugend)
Abgänge:
Lars Igel, Christopher Feller, Patrick Ruth, Dennis Nostadt (alle TuS 1860 Stetten), Christopher Bridgewater, Sebastian Sann (beide SV Katzweiler), Danny Stock, Christian Stock, Thomas Stock, Kevin Geib, Max Nekrasov (alle SV Lohnsfeld), Blerim Spahiu (Mehlingen), Michael Zlaugotnis (TuS Hackenheim), Boris Neu (TuS Gerbach)

Tor: Lukas Schmidt
Abwehr: Jonas Becker, Viktor Belsch, Timothy Hanauer, Christian May, Justin Müller, Christoph Reinhard, Moritz Scheidel, Lukas Scheidel, Arthur Schönmaier, Tim Schreiber, Jonas Stabel, Pascal Weber
Mittelfeld und Angriff: Artur Altergott, Kevin Bernhardt, Nico Hammel, Gabriel Hanauer, Steffen Thul, Fatmir Sylejmani, Dennis Windecker, Nico Hammel, Tim Klingkowski, Andreas Reiter, Niki Orthen, Marcel Junck, Thilo Opper, Nico Schechter, Sebastian Walther
Trainer: Timothy Hanauer
Saisonziel: Platz zwei bis fünf
Meisterschaftsfavoriten: Sippersfeld, Bolanden.

Zur Person:

„Jugend, Umbruch, die ganze Struktur“

Einer der drei jüngsten Cheftrainer in der B-Klasse Nord: Seit Saisonbeginn leitet der (noch) 28-jährige Timothy Hanauer den TuS 07 Steinbach – seine erste Stelle im Kreis. Vor allem setzt er dabei auf Disziplin und Autorität. „Wenn ich was vorgebe, muss das auch umgesetzt werden. Jeder muss arbeiten“, betont der in Alzey lebende Kriegsfelder.

Bei seinem letzten Klub klappte das weniger: Nachdem sich die Elf vom damaligen Bezirksligisten SG Nieder-Wiesen/Oberwiesen vor genau einem Jahr gegen Coach Alexander Raab aussprach, übernahm Hanauer für eine dreiviertel Runde – und stieg als Schlusslicht ab. Fünf Spielzeiten hatte er bei den Rheinhessen gekickt, drei davon in der Bezirksliga. Die komplette Jugendabteilung durchlief er zuvor bei seinem Stammverein FV Kriegsfeld.Natürlich: Den Aufruf seiner ehemaligen Nieder-Wiesener Kollegen, mit zu C-Ligist SG Appeltal zu wechseln, gab es. Hanauer lehnte entschieden ab. Weil er sich fragte, wo da der Ehrgeiz bleibe. „Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Außerdem wollte ich trainieren. Eigentlich sogar Bezirksliga oder A-Klasse“, gibt er zu.

Gelandet ist der Rechtsverteidiger (O-Ton: „Ich muss das Spiel vor mir haben.“) noch eins tiefer. Beim total veränderten TuS. „Das ergab ein rundes Bild: die Jugend, der Umbruch, die ganze Struktur“, erklärt Timothy Hanauer. Diesmal werden seine Vorgaben – bis jetzt – umgesetzt. Makellos stürmen die 07er der A-Klasse entgegen..

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