Die Zeit der Wundertüte ist vorbei

Der TuS Steinbach will bester Aufsteiger werden.

Unbequem: Muss Timothy Hanauer die neue Saison einschätzen, gebraucht er gerade diesen Zusatz. B-Klasse war einmal. Jetzt wird es härter, giftiger – und für seine Elf vom TuS 07 Steinbach damit eben „unbequemer“ – weil sie, anders als vor einem Jahr, nicht mehr den mysteriösen Unbekannten gibt. 

Vorteil damals: Der TuS tauschte seinen Kader komplett aus, niemand konnte ihn einordnen. Ein Überraschungs-Effekt, der verpufft ist. „Dieses Mal wird es anders. Zuletzt hatten uns viele nicht auf dem Schirm. Jetzt wird uns aber jede Mannschaft ernst nehmen“, beschreibt Trainer Hanauer die Schwierigkeit der nächsten Runde. Als Aufsteiger gehen die Steinbacher in die A-Klasse. Wirklich als solcher angesehen werden sie keineswegs: Nicht selten ist die Rede von einem Top-Club, der die Liga aufmischen kann – dank der überragenden Meistersaison. Der TuS spielt schnell, zielgerichtet, fließend. Und hat dazu mit Tor-Maschine Kevin Bernhardt einen Sturmtank in vorderster Reihe, der „wieder für 60 Tore gut“ sei, betont Hanauer. „Gesamt wird es für uns schwerer. Die Gegenspieler sind erfahrener und schneller. 150 Tore werden wir nicht mehr schießen“, glaubt er mit Blick auf sein Prunkstück Offensive, legt aber nach: „Mit unserer Qualität dürften wir mit Abstieg nichts zu tun haben.“

Hanauers Priorität: Ein Abschneiden als bester Aufsteiger – was seiner Rechnung nach mindestens einem sicheren Mittelfeldplatz gleichkommen müsste. Alle drei Neulinge bieten eine „brutale Qualität“, betont er. Aber so vermessen zu sein, gleich die Spitze anzuvisieren? Nein. Groß und flexibel sei sein Kader zwar, habe junge, wilde, hungrige Kicker. Doch den TuS verließen Jahre an Erfahrung. Mit Gabriel Hanauer, Christian May und Pascal Weber gingen die drei ältesten Säulen. „In der Vorbereitung hat man gesehen, dass wir zu blauäugig und naiv sind. Uns fehlt die Abgebrühtheit“, sagt Hanauer und gibt dennoch zu: Gemessen an der individuellen Klasse sei sein Team gewachsen. Spielstärker. Nur sei sie nicht mehr die Wundertüte, als die sie die B-Klasse-Favoriten böse erwachen ließ. „Wenn man jemanden gleich auf dem Zettel hat, geht man ganz anders an die Sache ran“, so Hanauer. Ein potenzieller Absteiger ist sein TuS zumindest nicht...

zugaenge 2015

Trainer: Timothy Hanauer

Zugänge:
Dennis Kladnicanin, Damir Kladnicanin (beide TSG Albisheim), Dawid Szaszorowski (GW Hochspeyer), Max Schreiber, Tobias Linzert, Fabian Zäuner (alle SV Alsenbrück-Langmeil), Florian Mergler (VfR Kaiserslautern)

Abgänge:
Pascal Weber (SV Imsbach), Christian May (TuS Wöllstein), Gabriel Hanauer (SV SW Mauchenheim)

Vorjahresplatzierung: 1. (B-Klasse Nord)

Saisonziel: bester Aufsteiger

Meisterschaftstipp: FV Rockenhausen, SV Enkenbach, TSV Dörnbach.

Morlautern ist Topfavorit

Staffelleiter Udo Schöneberger sieht aber auch FV Rockenhausen in A-Klasse vorne

udo schoenebergerWährend Meister SG Kircheimbolanden/Orbis der direkte Wiederaufstieg in die Bezirksliga gelungen ist, kehren B-Klasse-Triumphator TuS Steinbach und der in der Relegation erfolgreiche TuS Bolanden zurück in die A-Klasse. Gemeinsam mit den Aufstiegsfavoriten FV Rockenhausen und TSV Dörnbach sowie der SpVgg Gauersheim bilden sie das Donnersberger-Quintett der Nord-Staffel. Staffelleiter Udo Schöneberger blickt zurück – und gibt eine Prognose für die am Sonntag beginnende Saison ab.

Dass die SG Kirchheimbolanden/Orbis nach dem Abstieg so gut wieder in die Spur fand, war für Schöneberger schon eine kleine Überraschung. Umso mehr freut er sich aber für die Kreisstädter. „In Engelbert Klag haben sie einen gestandenen Trainer, der einen großen Anteil am dem Erfolg hat. Wer das Spitzenspiel 2:1 gewinnt und eine Serie von 26 Spielen ohne Niederlage hinlegt, ist verdient Meister.“ Im Saisonendspurt zog die SG am ewigen Spitzenreiter VfR Kaiserslautern vorbei und lies sich den Titel nicht mehr nehmen.Nicht ins Aufstiegsrennen mit eingreifen konnte der FV Rockenhausen, der am Ende abgeschlagen Dritter wurde. „Ich habe sie zu den Mitfavoriten gezählt. Doch im Endeffekt waren zu viele Unentschieden dabei“, blickt Schöneberger auf die acht Remis des FVR. Etwas stabiler hätte sich der Staffelleiter den TSV Dörnbach gewünscht, dessen Leistungsschwankungen großes Ausmaß annahmen. Platz sieben und 33 Punkte Rückstand zu Platz eins ist das Resultat einer viel zu inkonstanten Runde.

Überrascht zeigt sich Schöneberger dagegen über das Abschneiden der SpVgg Gauersheim, die zu keiner Phase der Saison ernsthafte Abstiegsprobleme hatte und mit 45 Punkten auf Platz acht abschloss. „Sie haben gute Ergebnisse erzielt und sich in der Liga etabliert.“

Das Saisonfazit des Staffelleiters fällt positiv aus. Schließlich haben sich Vereine, Spieler, Verantwortliche und Zuschauer bis auf zwei, drei Ausreißer, „die im Fußball immer dabei und nicht der Rede wert sind“, sehr fair verhalten.

In dieser Saison rechnet Schöneberger neben Topfavorit SV Morlautern II fest mit dem FV Rockenhausen als Aspirant für die ersten beiden Plätze. Dem TSV Dörnbach mit seinen vielen Neuzugängen traut er eine Sensation Marke „Geheimfavorit“ zu. Einen Mittelfeldplatz kann seiner Meinung nach auch wieder die SpVgg Gauersheim erreichen. „Ich hoffe, sie werden sich weiter etablieren.“

Dass Aufsteiger TuS Steinbach die B-Klasse nach Belieben dominiert, auch eine Etage höher ganz vorne mitspielen kann, glaubt Schöneberger nicht. „Sie werden sich mit Sicherheit behaupten. Es ist eine junge und gute Mannschaft, der aber noch die Erfahrung fehlt.“

Dem TuS Bolanden, zweiter Rückkehrer aus dem Kreis, der sich gegen Mölschbach in drei Relegationspartien durchsetzte, wünscht der Vorsitzende des Kreisausschusses den Klassenerhalt. „Im Vergleich zu den Auftritten der Aufstiegsspiele müssen sie aber eine Schippe drauflegen.“

Eine Neuheit hat Schöneberger noch zu vermelden. Ab Oktober/November wird der „Spielerpass online“ – der in der zweiten Wechselperiode im Winter schon greift und ab Sommer 2016 flächendeckend von der Verbandsliga bis in die C-Klasse gilt – eingeführt. Die Verantwortlichen sind dann in Sachen Vereinswechsel der Spieler für deren Eingaben selbstständig verantwortlich. Dafür kündigte der Staffelleiter Schulungen in den nächsten Wochen an.

2014/15 war ohnehin eine Rekord-Saison  „83 Punkte zu holen, ist fast unmöglich“

Es hagelte eine Reihe Überraschungen: In der Saison 2014/15 entpuppte sich die B-Klasse Nord als Liga mit Knalleffekten. Große Titel-Träumer knickten ein, der TuS 07 Steinbach rannte als frisch gemixter Haufen nonchalant durch.
Kevin Bernhardt hat den Tor-Rekord geknackt (60), sein TuS Steinbach mit 83 Zählern eine neue Bestmarke aufgestellt.

Trotz des riesigen Spieler-Karussells musste man Steinbach immer noch auf der Rechnung haben. Dass es aber so durchmarschiert, das konnte der kühnste Optimist nicht erwarten. Bernhardt ist ein Torjäger, der seine Qualitäten auch in der A-Klasse beweisen wird.

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