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Theater Bericht 2019

Der Saal tobt, mit „Katzenjammer 2.0“

Ralf Becker (rechts) als Alois, Wolfgang Bauer (links) als Otto und (vorne) Gernot Breitenbruch als Francois.

Katzenjammer 10 04 2019 001

Seit 1983 gibt es die Theaterabteilung des Turn- und Sportvereins Steinbach. Ihrem treuen Publikum präsentierte das Dorftheater, bei dem mittlerweile schon 42 Hobbyschauspieler mitwirkten, bis heute insgesamt 35 verschieden Stücke. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde nun eine Inszenierung ein zweites Mal vorgetragen – und auch die saß. „Katzenjammer 2.0“ sorgte am Wochenende in der Vereinshalle für beste Unterhaltung.

„Er ist einfach ein Universaltalent“, sagte ein Zuschauer breit grinsend und weiter applaudierend. Das Lob des älteren Mannes galt Gernot Breitenbruch. Der Vorsitzende des TuS schlüpfte – wie schon 2004 – in die Rolle des Francois, eines „Lebenskünstler“, der sich auf dem zum Verkauf stehenden Marienhof, einem großen landwirtschaftlichen Anwesen mit jahrhundertealter Tradition, breit macht. Breitenbruch spielte gekonnt mit dem Publikum und improvisierte als französischer Dichter, Musiker oder Maler mit Sprüchen fernab des Drehbuchs.

Die Gutmütigkeit von Brigitte (Sophia Selzer), die gut aussehende Jungbäuerin des Hofes, ausnutzend, macht sich Francois bei deren Männern aber äußerst unbeliebt – und das nicht nur weil er sich in Opa Ottos (Wolfgang Bauer) Altenteil einnistet. Ob „Taugenichts“, „Dahdieb“, „Simbbel“ oder „Affezibbel“: Die volle Breitseite an Beleidigungen und Beschimpfungen muss Francois von Knecht Karl (Philipp Bauer) einstecken.

Richtig ihr Fett weg bekommt auch Frau Henneliese, die als hochnäsige, adelige Kaufinteressentin den Hof in eine Obst- und Gemüseplantage umwandeln will. Die „Gemüseschachtel“, „Spinatwachtel“ oder „Rosekohltante“ ist nicht alleine angereist. Im Gepäck hat sie ihre rheumakranke Katze Charlotte, die getreu zumindest bei der Ohnmacht-anfälligen Henneliese immer wieder für Aufregung sorgt.

Die schwerhörige Hermine (Ina Herrbruck) – eine Haltung wie der Glöckner von Notre-Dame – und Hildegard (Nicole Geissler) wollen ebenfalls den Hof erwerben – für ihren attraktiven Neffen Peter (Florian Bauer), besser bekannt als „uunser Buuusche.“ Dieser soll als zukünftiger Chef von einer ganzen Erzabtei dort ein Kloster führen. Doch „Buusche“, der längst sein Priesterseminar geschmissen hat, schmiedet andere Pläne, an denen – wen wundert es? – Brigitte nicht unbeteiligt ist. Ach ja, auch der Junggeselle Gräble (Volker Bauer) hat Interesse an dem Objekt und wünscht sich im Nachhinein, nie bei den „ganzen Verrückten“ gelandet zu sein.

Der Saal tobte – da musste noch nicht mal gesprochen werden. Während Otto beispielsweise als verkleidetes Schwein von Alois und Karl zum Schlachten geschleppt, Francois am Marterpfahl hängend von Otto und Alois mit Feuerwasser abgefüllt oder Gräble von Hildegard hochkant aus ihrem Bett rausgeschmissen und „verprügelt“ wurde, gab es Szenenapplaus.

32 Mal stand er zuvor selbst auf der Bühne – dieses Jahr übernahm Gerald Heeger die Rolle des Regisseurs. „Seine“ ihm dankenden Feierabendkünstler verstanden es wieder einmal, ihre Rolle in Mimik, Gestik und Körperhaltung über die volle Distanz zum Ausdruck zu bringen. „Das war richtig anstrengend“, gab Anna Heeger, „aber es hat wie immer Spaß gemacht.“ Dem Publikum auch.

Karten

Für die Vorstellung von „Katzenjammer 2.0“ am kommenden Freitag, 19.30 Uhr, gibt es bei Rosi Kinzer unter der Telefonnummer 06357 7957 (abends) noch Eintrittskarten.

 

Wörtlich

 

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