Theater Bericht 2008

Ein freizügiger „Padre" und eine geschockte Haushälterin

Beim Dorftheater „Oh Gott, die Familie" bekommt das Brautpaar alles andere als die gewünschte ruhige Hochzeit.

Ein junges Paar sitzt glücklich und verliebt auf einer Bank. Sie küssen sich, schauen sich tief in die Augen und scheinen die Welt um sich herum völlig vergessen zu haben. Ein typisches Happyend, könnte man meinen. Doch in dem Stück „Oh Gott, die Familie", mit dem das Steinbacher Dorftheater am Freitag Premiere feierte, kommt alles etwas anders...

„Oh Gott, die Familie" - denken sich nämlich die frisch Verliebten Mark (Gernot Breitenbruch) und Ute (Sonja Ciara): Deshalb flüchten sie vor der ganzen Sippschaft in eine einsame Waldhütte, um dort heimlich zu heiraten. Doch sie haben die Rechnung ohne ihre Liebsten gemacht. Denn die stehen plötzlich vor der Tür und sorgen für ordentlich Zank, Wirbel und Verwirrung. Da sind zunächst Marks Eltern: Fritz (Wolfgang Bauer) und Martha Meyer (Sandra Werner), die stark an ein berühmtes saarländisches Fernseh-Ehepaar erinnern. Der knauserige Fritz reist mit Ledertäschchen, Kappe, zu enger Jacke und zu kurzen Bügelfaltenhosen an. Martha hingegen trägt Bluse und Blümchenrock und scheint das ideale Hausmütterchen zu sein. Die beiden haben den Opa Johann (grandios gespielt von Ralf Becker) mitgebracht, der gerne isst und noch viel lieber trinkt, jedoch nicht mehr so flott zu Fuß ist. Sie freuen sich riesig über ihre „gelungene Überraschung" und machen sich gleich in der gesamten Hütte breit.

Roggenkorns haben"s gern feiner.

Aber es dauert nicht lange, da tauchen auch Utes Eltern auf: Der Zahnarzt Herbert Roggenkorn (Gerald Heeger) und seine Gattin Marlene (Anja Jendges) haben es gerne etwas feiner. Sie mögen Hochdeutsch, Perlenketten, Krokodilleder und Einstecktücher - vor allem aber ihren Hund „Daisylein". Weniger begeistert sind sie hingegen von den Meyers - was sie auch deutlich zum Ausdruck bringen.

Der Streit ist vorprogrammiert: Wer führt die Braut zum Altar? Wessen Hochzeitskleid wird sie tragen? Wer bezahlt das Essen? Und vor allem: Gibt es „Brotworschd un Krumbeersalat" oder „Filetspitzen in feinster Soße mit Herzoginkartoffeln"? Und als sei das nicht schon alles schlimm genug, mischt die schwerhörige Hüttenwartin Klara Schrattler (Jutta Neumeyer), als geizige Inkarnation des Bösen, die Hochzeitsgesellschaft immer wieder kräftig auf.

Während Mark und Ute vergebens versuchen, ihre Familien zu versöhnen und mit den Nerven schon fast am Ende sind, hat ihre Verwandtschaft ganz andere Flausen im Kopf: Vater und Opa Meyer kehren von einer heimlich durchzechten „karibischen Nacht" in der Dorfdisco ohne ihre Hochzeitsanzüge zurück. Als Leoni, die Haushälterin des Pfarrers (Nicole Geißler), die Hochzeitstracht für Ute und Mark vorbeibringt, halten die Männer die Besucherin für eine Tänzerin des Clubs, die ihre Anzüge zurückbringen will - die biedere Frau erleidet den Schock ihres Lebens.

Die künftigen Schwiegermütter, die sich zu Marlenes Entsetzen auch noch das gleiche Kleid für die Hochzeit gekauft haben, erhalten derweil Besuch von Pedro, dem italienischen Türsteher des Nachtclubs (Gernot Breitenbruch in seiner zweiten Rolle) - genannt „El Padre". Er hat nun tatsächlich die Anzüge dabei - doch die Frauen halten ihn für einen (ungewöhnlich freizügigen) Pfarrer und löchern ihn mit Fragen zur Hochzeit. Schnell wundern sich sie zwar über den unkonventionellen Kirchenmann, nach dessen „Show" in der vermeintlichen Kirche sogar geklatscht werden darf. Doch seine charmanten Komplimente schmeicheln den Damen zu sehr, als dass sie Verdacht schöpfen. Da nutzen Mark und Ute die Verwirrung, um allen ein Schnippchen zu schlagen...

Applaus für begeisternde Akteure.

Das Publikum in der vollbesetzten Halle belohnte die durch die Bank überzeugenden Schauspieler mit tosendem Applaus und vielen herzhaften Lachern. Die anfangs geäußerte Befürchtung des Leiters der Theatergruppe, Manfred Lehrmoser, hatte sich nicht erfüllt: Trotz einer „fast zu gut" gelungenen Generalprobe ist auch bei der Premiere alles glänzend gelaufen. Er bedankte sich bei allen Helfern hinter den Kulissen: der Familie Bohlander (Kartenverkauf), Marianne Christ und Sabrina Ciara (Frisuren, Maske) sowie besonders bei Birgit Kuhn, der Regisseurin und „guten Seele" des Dorftheaters. Neben der schauspielerischen Leistung begeisterte vor allem das von Karl Daub gestaltete Bühnenbild einer kleinen Holzhütte mit Kamin, Geweihen und ausgestopften Tieren.

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